Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen fordert Bestätigung der Abteilungsdirektorin Virna Bussadori
Pressemitteilung von Ulrike Oberhammer und Nadia Mazzardis, Präsidentin und Vizepräsidentin des Landesbeirats
Die Südtiroler Landesregierung hat mit Beschluss Nr. 666 vom 8. August 2023 einstimmig beschlossen, den Gleichstellungsaktionsplan für Südtirol ÆQUITAS, gemäß beiliegender Anlage A, welche wesentlichen Bestandteil des Beschlusses bildet, zur Kenntnis zu nehmen und die Bekanntmachung der wesentlichen Inhalte des Dokuments zu unterstützen.
Außerdem wurde im Beschluss vorgesehen, den Gleichstellungsaktionsplan für Südtirol AEQUITAS den Führungskräften der ersten und zweiten Ebene im Sinne des Art. 5 des Landesgesetzes vom 21. Juli 2022, Nr. 6 zu übermitteln und diesen die Aufgabe zu übertragen, die vorgeschlagenen Maßnahmen unter Beachtung der normativen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen auf ihre konkrete Umsetzbarkeit zu überprüfen.
Im Handlungsfeld 5 des Gleichstellungsaktionsplans „Politische Gleichstellung und Partizipation von Frauen in allen Bereichen" wird daran erinnert, dass die „Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2020-2025“ der europäischen Kommission die Notwendigkeit vorsieht, dass Personen unterschiedlicher Geschlechter die gleiche Teilhabe und dieselben Chancen am Arbeitsmarkt inklusive des gleichen Entgelts haben sollen und dass Frauen und Männer in Politik und Entscheidungspositionen ausgewogene Vertretung brauchen.
Im Handlungsfeld 1.1 Arbeit, Beschäftigung und Wirtschaft geht es in der Maßnahme 1 um bessere Karrierechancen für Frauen und im Handlungsfeld 1.3 heißt es: „Wir garantieren gleichberechtigte Bedingungen im Zugang zum Arbeitsmarkt und am Arbeitsplatz und fördern gezielt Frauen in Führungspositionen und als Unternehmerinnen.“
Wir intervenieren als beratender Beirat der Südtiroler Landesregierung bezüglich der konkreten Möglichkeit, dass die Raumplanerin Virna Bussadori als Leiterin der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung der Provinz Bozen nicht mehr bestätigt wird.
Die Raumplanerin Bussadori hat einen Abschluss in Raumplanung und Stadtentwicklung an der IUAV, Spezialisierungen auf europäischer Ebene und hat mehrere Publikationen gemacht. Seit 2006 hat sie das Amt für Landesplanung und Kartografie geleitet und seit 2020 ist sie Direktorin der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung.
Sie ist ein echtes Beispiel für das, was uns oft gesagt wird, wenn es um Frauenquoten geht: „Es reicht nicht, eine Frau zu sein, man muss auch kompetent sein.“
Und hier haben wir eine Frau, die alle Voraussetzungen mitbringt, um eine wichtige technische Abteilung zu leiten.
Es ist wichtig zu betonen, wie schwer es ist, Vorurteile gegenüber Frauen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) abzubauen, die zu den Bereichen gehören, die die besten beruflichen und finanziellen Chancen bieten.
Der technische Werdegang der Raumplanerin Bussadori ist ein gutes Vorbild für Mädchen, die vor der Entscheidung über ihre Ausbildung und ihren Beruf stehen.
Zwischen Mai und Juli 2025 haben die Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit Ulrike Oberhammer und die Vize Präsidentin Nadia Mazzardis zusammen mit dem Ressortdirektor Ulrich Stofner, der Direktorin des Amtes für Landessprachen und Bürgerrechte Karin Ranzi und dem Frauenbüro, alle Ressortdirektoren/Innen und anschließend die Landesräte/innen und deren Team getroffen, um den Gleichstellungsaktionsplan vorzustellen und mit seiner Überwachung zu beginnen.
Bei all diesen Treffen wurde deutlich, dass auch die Stadträte die Notwendigkeit sehen, mehr Frauen in Führungspositionen der Provinz zu bringen.
Die Raumplanerin Virna Bussadori ist eine angesehene Fachfrau:
- genießt das Vertrauen ihrer Kolleginnen und Kollegen sowie der Technikerinnen und Techniker, die mit ihren Ämtern zusammenarbeiten oder in Kontakt stehen;
- hat anerkannte Qualifikationen, Erfahrung und Erfolge vorzuweisen;
- Sie ist eine wichtige Bezugsperson in einem strategischen Bereich wie der Raumordnung, wo die weibliche Perspektive sehr wichtig ist. Sie durch einen Mann zu ersetzen, der zwar qualifiziert ist, aber nicht über einen ebenso spezifischen Lebenslauf verfügt, würde bedeuten, das gleiche alte Muster zu wiederholen: Eine kompetente Frau muss ihren Platz in einer für die Entwicklung unseres Territoriums wichtigen Position an einen Mann abtreten.
Als Landesbeirat für Chancengleichheit, der in beratender Funktion für die Landesregierung tätig ist, haben wir zahlreiche Eingaben erhalten und sehen uns verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass der Beschluss zur Ersetzung in der vorgeschlagenen Form;
- den Maßnahmen des Aktionsplans widerspricht,
- die Arbeit zur Beseitigung von Hindernissen für die Gleichstellung untergräbt, die größtenteils auf freiwilliger Basis vom Beirat geleistet wird;
- die Verpflichtungen gegenüber den Frauen in Südtirol, beginnend mit der Kampagne „No Women No Panel”, missachtet.
Hinzu kommt, dass der "neue" Direktor eine um 20.000,00 € höhere Jahresvergütung als die derzeitige Direktorin erhalten würde. Dies bestätigt die vom Beirat immer wieder beanstandete geschlechtsspezifische Lohnschere, welche in der öffentlichen Verwaltung angeblich nicht existieren würde.
Wir fordern daher die Landesregierung auf, die derzeitige Abteilungsdirektorin zu bestätigen und somit ihren Willen zu bekräftigen, die Verpflichtungen zur Gleichstellung der Geschlechter und zur Förderung weiblicher Kompetenzen in Führungspositionen einzuhalten sowie die geplante Lohnerhöhung der Amtsinhaberin zuzusprechen.
Ulrike Oberhammer - Nadia Mazzardis