Tag der Chancengleichheit 2026: Fortschritte sichtbar – noch viel zu tun

16.09.2026, 12:40

Zwischenbericht zum Gleichstellungsaktionsplan Südtirol Æquitas liegt vor – Zahlreiche Maßnahmen verwirklicht

Sie arbeiten gemeinsam an mehr Chancengleichheit in Südtirol: Nadia Mazzardis, die Vizepräsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen (im Bild von links), Präsidentin Ulrike Oberhammer und Landeshauptmann Arno Kompatscher. (Foto: LPA/Greta Stuefer)
Sie arbeiten gemeinsam an mehr Chancengleichheit in Südtirol: Nadia Mazzardis, die Vizepräsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen (im Bild von links), Präsidentin Ulrike Oberhammer und Landeshauptmann Arno Kompatscher. (Foto: LPA/Greta Stuefer)

BOZEN (LPA). Am Tag der Chancengleichheit, dem 16. September, zieht Landeshauptmann Arno Kompatscher gemeinsam mit dem Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen eine Zwischenbilanz zur Umsetzung des Gleichstellungsaktionsplans Æquitas 2023–2028. Während erste Maßnahmen greifen, zeigen aktuelle Daten, dass noch erhebliche Defizite bestehen – besonders bei Entgeltgleichheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie beim Schutz vor digitaler Gewalt.

Der erste Südtiroler Gleichstellungsaktionsplan Æquitas wurde im Herbst 2023 nach einem breiten partizipativen Prozess verabschiedet und umfasst acht Handlungsfelder (LPA hat berichtet). Er wurde ausgearbeitet, um die Gleichstellung der Geschlechter wirksam in allen Bereichen des Lebens durchzusetzen. 

Gleichstellungsaktionsplan Æquitas: Stand der Umsetzung wird veröffentlicht

Seither seien, so die Beiratsspitze, 14 der 55 vorgesehenen Aktionen (3 der 30 geplanten Maßnahmen) umgesetzt worden. Weitere 14 Aktionen des Gleichstellungsplans befänden sich derzeit in Umsetzung, die restlichen vorgesehenen Initiativen würden noch abgeklärt, beziehungsweise die Klärung der Zuständigkeiten steht noch aus. 

Zum Tag der Chancengleichheit wird der aktuelle Stand der Umsetzung der Maßnahmen nun öffentlich zugänglich gemacht. "Der Zwischenbericht zeigt, dass bereits wichtige Fortschritte erzielt wurden. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die Förderung der Chancengleichheit eine langfristige Aufgabe bleibt", betont Landeshauptmann Kompatscher in seiner Funktion als zuständiger Landesrat.

Erste Maßnahmen zeigen Wirkung

Im Rahmen der Umsetzung der im Gleichstellungsaktionsplan verankerten Maßnahmen und Aktionen sowie durch Initiativen des Landes Südtirol und des Beirats für Chancengeleichheit für Frauen sowie gesetzliche Neuerungen konnten folgende Dinge umgesetzt werden: 

  1. Entgelttransparenz: Mit dem Gesetzesdekret 96/2026, das am 7. Juni in Kraft getreten ist, wurden EU-weite Standards zur Lohntransparenz auch in Südtirol umgesetzt. Geschlechtergerechte Stellenausschreibungen sind nun Pflicht; Unternehmen müssen Gehaltsspannen offenlegen. 
  2.  Expertinnendatenbank ADA: Im März 2026 wurde die Datenbank "ADA" vorgestellt, die Fachfrauen und Expertinnen für Podien, Medien und Gremien sichtbar macht – ein konkretes Instrument gegen "Alibi-Podien" und für mehr weibliche Präsenz in der Öffentlichkeit. 
  3.  Kampagne gegen Gewalt: Die Initiative "Südtirol steht auf" wird als fester Bestandteil der Kommunikationsagenda fortgeführt. Zudem wurde eine landesweite anonyme Online-Umfrage zu Gewalt, Belästigung und Mobbing in der Arbeitswelt durchgeführt, an der sich mehr als 4000 Personen beteiligt haben. 
  4. Gendermedizin: Der Maßnahmenplan "Gendermedizin in Südtirol" wurde 2024 verabschiedet; ein Fachsymposium findet im Zweijahresrhythmus statt. 
  5. No Women No Panel: Die Initiative zur gerechten Darstellung von Frauen in Medien und auf Podien wird aktiv umgesetzt. 

Trotz dieser Fortschritte, so betonen Präsidentin und Vizepräsidentin des Landesbeirats, zeigten die aktuellen Zahlen, dass strukturelle Ungleichheiten weiterhin bestehen. Zum Beispiel der Gender Pay Gap, also der geschlechtsspezifische Lohnabstand, der derzeit bei 17,5 Prozent (ASTAT 2026) liegt. Dies wirke sich auch langfristig, neben den unterbrochenen Erwerbsbiografien und der zumeist kostenlosen Care-Arbeit, negativ auf die Pensionen aus. Weiters sei es immer noch so, dass zahlreiche Mütter innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt ihres Kindes kündigen. Flexible Arbeitsmodelle, Kinderbetreuung und faire Einstellungspraxis bleiben zentrale Forderungen, stellt der Landesbeirat fest. 

Appell an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft

"Der Gleichstellungsaktionsplan Æquitas ist kein Selbstläufer. Die Erreichung der Zielsetzungen kann nur gemeinsam mit den Menschen und Institutionen in Südtirol gelingen. Solange gute Kinderbetreuung Glückssache ist, Mütter in Teilzeit gedrängt werden, weibliche Rentenlücken normal sind, das System auf kostenlose Care-Arbeit ausgelegt ist und Alleinerziehende arm bleiben, Hass im Netz Alltag ist, Frauen unter anderem in der Gesellschaft, Politik, bei der Arbeit, beim Sport, in der Mobilität und im Alltag benachteiligt sind, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Aber jeder Schritt zählt", betont die Präsidentin des Beirates, Ulrike Oberhammer. Jede und jeder sei aufgefordert, in ihrem oder seinem Bereich etwas zum notwendigen Kulturwandel beizutragen.

Vizepräsidentin Nadia Mazzardis unterstreicht: "Gleichstellung ist nicht nur eine Frage, die Frauen betrifft, sondern eine Frage des Gesellschaftsmodells, das wir aufbauen wollen. Stereotype beeinflussen nach wie vor unsere Entscheidungen, die Arbeitswelt, die Verteilung von Macht sowie die Verteilung von Sorgearbeit und gewinnen immer häufiger auch durch Sprache und Hass im Internet neue Kraft. Deshalb reicht es nicht aus, einzelne Ungleichheiten zu korrigieren: Wir müssen die Kultur verändern, die sie hervorbringt. Und bei diesem Wandel müssen Männer aktiv mitwirken, denn eine gleichberechtigtere Gesellschaft ist eine freiere Gesellschaft für alle."


pir