Endometriose: Ein stilles Leiden wird sichtbar gemacht
Startschuss für Sensibilisierungskampagne des Landesbeirats für Chancengleichheit - Eine von zehn Frauen im fruchtbaren Alter betroffen - Oberhammer: "Infomaterial in vier Sprachen soll alle erreichen"
Jeden Monat starke Menstruationsschmerzen zu haben, nehmen viele Frauen immer noch als normale Begleiterscheinung der Blutung hin. Darauf, dass diese Schmerzen auf die Krankheit Endometriose hinweisen könnten, macht nun eine Sensibilisierungskampagne aufmerksam, die vom Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen ins Leben gerufen und am 26. September vorgestellt wurde.
"Wir nehmen Frauengesundheit ernst und erheben gemeinsam die Stimme - für eine Medizin, die Schmerzen von Frauen wahrnimmt, statt sie zu psychologisieren, denn Endometriose ist nicht 'nur ein Frauenthema', sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Und zwar für eine Politik, die Frauengesundheit als Menschenrecht finanziert; für eine Gesellschaft, die Menstruation nicht als Makel, sondern als Teil des Menschseins begreift; für die Betroffenen, damit sie ein möglichst schmerzfreies Leben führen können und unterstützt werden", erklärte Ulrike Oberhammer, die Präsidentin des Beirats für Chancengleichheit für Frauen.
Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte, dass es kein Zufall sei, dass Frauen Jahrhunderte lang leiden mussten, ohne dass der Krankheit Endometriose Beachtung geschenkt wurde: "Das ist auch einer patriarchalisch aufgebauten Welt geschuldet. Umso wichtiger ist es, dass unter anderem im Südtiroler Gleichstellungsaktionsplan Æquitas verankert ist, dass wir der Frauengesundheit und besonders seltenen Erkrankungen Aufmerksamkeit schenken müssen."
"Endometriose betrifft viele Frauen, die lange im Stillen leiden und die eine Diagnose spät oder gar nicht erhalten. Diese Kampagne ist beispielhaft für unser Ziel, in der Gesundheitspolitik weg vom krankheitszentrierten Ansatz und hin zur Vorsorge zu gehen", lobte Gesundheitslandesrat Hubert Messner die Initiative, die von der Abteilung Gesundheit des Landes Südtirol, vom Südtiroler Sanitätsbetriebs, von der Endometriose-Vereinigung "Noi con voi" und der Südtiroler Apothekerkammer mitgetragen wird.
Der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs Christian Kofler und der Präsident der Apothekerkammer Maximin Liebl hoben die Bedeutung einer breiten Zusammenarbeit insbesondere mit den Betroffenenvereinigungen zur Aufklärung und Sensibilisierung für oft unerkannte Erkrankungen hervor. Sie unterstützen die Kampagne mit der Verteilung von Informationsmaterialien an ihren im ganzen Land verteilten Standorten.
Die nun gestartete Sensibilisierungskampagne umfasst Plakate und Flyer sowie Videos und social media-Grafiken in vier Sprachen (deutsch, italienisch, englisch und ladinisch), um alle Frauen zu erreichen. Mit dem Infomaterial wird dazu animiert, bei monatlichen, starken Schmerzen den Facharzt bzw. die Fachärztin für Gynäkologie oder die Endometrioseambulanzen in Südtirols Krankenhäuser aufzusuchen.
Aus ärztlicher Sicht beleuchteten der Primar der Gynäkologie sowie Leiter der Fachambulanz „Endometriose“ am Krankenhaus Bozen, Martin Steinkasserer und die Primaria der Gynäkologie am Krankenhaus Brixen, Sonia Prader, die chronische Erkrankung, bei der meist Schmerzen auftreten und Gewebe, das der Gärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Da dieses Gewebe hormonempfindlich ist, kann es zu Schmerzen im Unterleib, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Verdauungsproblemen sowie verminderter Fruchtbarkeit kommen. Statistisch ist eine von zehn Frauen im fruchtbaren Alter von der Erkrankung betroffen.
Sissi Prader leitet die Arbeitsgruppe für Frauengesundheit im Landesbeirat für Chancengleichheit und dankte allen Beteiligten herzlich, dass das Informationsmaterial in den nächsten Tagen in den Krankenhäusern, den Gesundheitssprengeln, den Apotheken und den Oberschulen des Landes verteilt wird. Die Selbsthilfevereinigung „NoiconVoi“ hat im letzten Jahr etwa 550 Beratungen für betroffene Frauen angeboten, erläuterte die Vorsitzende Miriam Leopizzi. Der Verein freue sich über das wachsende Interesse und die gute Zusammenarbeit mit den Fachambulanzen des Landes, die betroffene Frauen auf ihrem oft komplexen und schwierigen Weg bestmöglich begleiten.
Keine ärztliche Verschreibung notwendig
Betroffene Frauen können sich auch ohne ärztliche Verschreibung über die Nr. 100100 der Vormerkzentrale in den jeweiligen Gesundheitsbezirken des Südtiroler Sanitätsbetriebs für eine detaillierte Abklärung vormerken.
Kontakte und weitere Infos unter: https://chancengleichheit.provinz.bz.it/de/endometriose
pir/ap
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- Poskarte Endometriose 2 » [PDF 546 kB]







